Peter Jacobi (DIG) gibt seine „Bezirksmedaille in Silber“ zurück.

„Soll denn – wie schon vor 100 Jahren, auch und besonders in Oberfranken – wieder einmal einfach nur weggeschaut werden?!“

Wir dokumentieren hier ein Schreiben an den Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm, das wir von Peter Jacobi anlässlich der Verleihung der „Bezirksmedaille in Silber“ an Michael Genniges (AfD) erhalten haben, der Fränkische Tag berichtete:

Herrn
Bezirkstagspräsident
Henry Schramm

15. Juni 2026

Rückgabe meiner „Bezirksmedaille in Silber“

Sehr geehrter Herr Bezirkstagspräsident,

wie ich vor wenigen Tagen erfuhr, haben Sie auf Grund eines Beschlusses des Bezirkstages den AfD-Funktionär Michael Genniges mit der „Bezirksmedaille in Silber“ ausgezeichnet.

Diese Entscheidung missbillige ich hiermit auf das Schärfste – sie widerspricht elementar meinen demokratischen Grundüberzeugungen!

Ich habe mich deshalb entschlossen, anbei die mir vor 25 Jahren verliehene „Bezirksmedaille in Silber“ wieder zurückzugeben.

Vor meinem Gewissen sowie gegenüber meiner Familie, meinen liberalen Freunden und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren langjähriges Mitglied ich bin und im Jahre 2021 maßgeblich an der Ablösung von Herrn Genniges als Vorsitzender der DIG Bamberg mitgewirkt habe, kann ich es nicht verantworten, mich mit diesem Herrn in eine Reihe stellen zu lassen.

Der wahre Charakter der Partei, der Herr Genniges angehört, offenbart sich am eindeutigsten durch die Äußerungen ihrer Vertreter. So durfte einer ihrer führenden Repräsentanten u. a. unwidersprochen die Behauptung aufstellen: „Der Nationalsozialismus wird sich als Mückenschiss der Weltgeschichte erweisen!“ Oder erst jüngst: „Wir sind der Rammbock des Volkes, mit dem das Volk demokratisch in die Festungen des etablierten Machtkartells eindringt.“ Und die Reihe lässt sich endlos fortsetzen!

Da kommt einem doch unwillkürlich ein Zitat von Wilhelm Busch in den Sinn: „Ach, die Welt ist so geräumig – und der Kopf ist so beschränkt!“

Wer die „Volksgemeinschaft“ über die Freiheit des Einzelnen stellt, plant – einmal an der Macht – unbegrenzte staatliche Eingriffe – mit unvorhersehbaren Folgen für den Einzelnen. Wer sich mit einem Kriegsverbrecher Wladimir Putin gemein macht, setzt sich über Recht, Gesetz und Moral in Deutschland hinweg. Und wer mit brachialer Gewalt und unter Verletzung grundgesetzlicher Bestimmungen Menschen, die aus Furcht um Leib und Leben Hilfe in Deutschland suchen, aus unserem Land wieder vertreiben will, plant dies auch für – in ihren Augen – missliebige Deutsche!

Soll denn – wie schon vor 100 Jahren, auch und besonders in Oberfranken – wieder einmal einfach nur weggeschaut werden?!

Ich will nicht zu denjenigen gehören, die hinter die Fassade blicken – und schweigen!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Peter Jacobi

MdL a. D., Ehrenpräsident des Fränkischen Sängerbundes,
Kreisheimatpfleger im Landkreis Coburg

Danke lieber Peter Jacobi! Wir führen Deine Arbeit, Eure Arbeit weiter – es gab damals einige der „Alten“, die die DIG aufgebaut hatten und die uns wie Du gegen den Ursurpationsversuch von Michael Genniges und Getreuen unterstützt haben. Es ist uns eine Ehre – und eine Verpflichtung!

Und wir fordern klar: die aufgrund falscher Tatsachenbehauptungen erschlichene Ehrung von Michael Genniges muss zurückgenommen werden!

Dein Vorstandsteam von der DIG Bamberg <3

Bamberg: Kundgebung der DIG für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus am 13.06.2026 verhindert

„Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden und deren Freunde weltweit grundlegend verändert – seit dem 13. Juni 2026 gilt das nun auch vor Ort.“

Jochen Lupprian, 2. Vorsitzender DIG Bamberg

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bamberg musste ihre für den 13. Juni 2026 auf der Jahnwiese angemeldete Kundgebung unter dem Motto „Damals wie heute“ vorzeitig abbrechen. Die Veranstaltung sollte ein Zeichen für Völkerverständigung, gegen Antisemitismus und für eine Zwei-Staaten-Lösung setzen, konnte jedoch aufgrund von Übergriffen einer Gruppe Störer und Randalierer nicht wie geplant stattfinden.

Ablauf des 13. Juni

Die DIG hatte beim Ordnungsamt eine Versammlung von 15:45 bis 18:30 Uhr angezeigt. Nachdem Mitglieder der DIG Bamberg und weitere Unterstützer den ihnen zugewiesenen Standort eingenommen und die Veranstaltung durch Israelflaggen und jüdische Musik sichtbar gemacht hatten, erschien in kurzem Abstand eine etwa 20-köpfige Gruppe aus dem Umfeld der Initiative „Bamberg for Free Palestine“. Nach Einschätzung der DIG handelte es sich um eine nicht angemeldete Versammlung, da eine gleichzeitige Genehmigung zweier inhaltlich gegensätzlicher Kundgebungen am selben Ort als ausgeschlossen angesehen wird.

Als Mitglieder der DIG die Situation dokumentieren wollten, kam es zu körperlichen und verbalen Angriffen. Ein Mitglied wurde dabei schmerzhaft an den Armen fixiert, ein anderes mit der Aussage „Du willst doch nur die Eier von Netanyahu lecken“ beleidigt. Die zwischenzeitlich eintreffende Polizei nahm Personalien auf und leitete Strafanzeigen ein, um die Vorfälle rechtsstaatlich aufarbeiten zu lassen. Gegen die Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ wurde ein Platzverweis ausgesprochen; die Personen mussten den Bereich der Jahnwiese verlassen und sich in größerer Entfernung aufhalten.

Entscheidung zum Abbruch und Bewertung

Trotz des polizeilichen Einschreitens entschieden die DIG-Mitglieder, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht fortzuführen. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre und der bereits erfolgten Übergriffe verzichteten sie auf ihre vorbereiteten Redebeiträge und verließen die Jahnwiese schließlich unter Polizeischutz.

Aus Sicht der DIG markiert es eine Zäsur, dass eine angemeldete jüdische bzw. pro-jüdische Friedensveranstaltung in Bamberg nicht durchgeführt werden kann, weil Teilnehmende körperliche und verbale Angriffe befürchten müssen.

Die DIG weist zudem darauf hin, dass auf dem Instagram-Auftritt von „Bamberg for Free Palestine“ nach ihrer Auswertung antisemitische und volksverhetzende Inhalte verlinkt werden. Genannt werden unter anderem Darstellungen, in denen Jüdinnen und Juden den Holocaust angeblich „erfunden“ hätten, um eine Opferrolle zu beanspruchen, sowie Bildmotive, die Juden mit Nationalsozialisten gleichsetzen und nationalsozialistische Verbrechen relativieren. Die DIG kritisiert, dass dieselbe Gruppe, die sich öffentlich über „Zensur“ und „Repression“ beklagt, antisemitische Inhalte verbreitet und gleichzeitig eine pro-jüdische Kundgebung physisch stört.

Foto: Screenshot Instagram-Auftritt der Gruppe

Dank an die Polizei und politische Forderung

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bamberg dankt den eingesetzten Beamtinnen und Beamten ausdrücklich für ihr konsequentes und zugleich besonnenes Vorgehen. Die Polizei hat die Vorfälle aufgenommen, Personalien festgestellt und die notwendigen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen, wodurch eine weitere Eskalation verhindert wurde.

Abschließend fordert die DIG die Stadt Bamberg auf, sich weiterhin eindeutig und konsequent gegen jede Form des Antisemitismus zu positionieren – unabhängig davon, ob dieser aus rechten, dschihadistischen oder vermeintlich linken Milieus stammt. Ziel ist, dass sich Jüdinnen und Juden sowie ihre Freundinnen, Freunde und antifaschistischen Unterstützer in Bamberg wieder sicher fühlen können und dass Engagement für Völkerverständigung und Frieden im Nahen Osten öffentlich und ohne Angst möglich bleibt.

Ein Musterbeispiel demokratischer Zusammenarbeit: Antisemitische Acts vom Kontakt-Festival Bamberg ausgeladen

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bamberg begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Organisationsteams des Kontakt-Festivals, die geplanten Auftritte der Gruppe „Students for Palestine Würzburg“ sowie der Rapperin „Sorah“ abzusagen. Damit ist ein wichtiges Signal gegen Antisemitismus und Judenhass in der Bamberger Kulturszene gesetzt worden.
Zum Kontakt-Festival

Die DIG Bamberg dankt allen demokratischen Kräften, die sich in den vergangenen Tagen entschieden gegen antisemitische Inhalte im Programm des Kontakt-Festivals eingesetzt haben. Durch den koordinierten Hinweis verschiedener Akteure auf die Problematik der geplanten Auftritte reagierten die DIG Würzburg, die DIG Bamberg, KIBA Bamberg, die liberale jüdische Gemeinde Mischkan HaTfila, die Universität, mehrere Sponsoren sowie der neu gewählte Stadtrat der Stadt Bamberg in vorbildlicher Weise und im gemeinsamen Verständnis. So wurde erreicht, dass Antisemitismus und Judenfeindlichkeit auf der Bühne des Festivals keinen Raum erhalten.

Gemeinsamer Erfolg vieler engagierter Akteure

Die DIG Bamberg wünscht sich ein buntes, weltoffenes Kontakt-Festival und nimmt den Ausschluss antiisraelischer Acts durch das Organisationsteam ausdrücklich positiv auf. Zugleich wird betont, dass die Arbeit der zahlreichen Ehrenamtlichen sehr geschätzt wird und sich die Kritik nie gegen das Festival als solches, sondern ausschließlich gegen antisemitische Inhalte gerichtet hat. Es bleibt ein gemeinsames Ziel, kulturelle Räume zu schaffen, in denen alle Menschen friedlich, unbesorgt und ohne Angst vor Judenhass feiern können.

Warum Antisemitismus klar benannt werden muss

Die aktuellen Vorgänge zeigen, wie wichtig es ist, Antisemitismus klar zu benennen und nicht zu relativieren. Allzu oft tarnt er sich als vermeintlich politische Kritik und entfaltet gerade dort seine toxische Wirkung, wo Menschen unvorbereitet sind. Die DIG Bamberg unterstreicht, dass der 7. Oktober 2023 drastisch vor Augen geführt hat, welche Konsequenzen eine Verharmlosung antisemitischer Hetze haben kann, und dass entsprechende Aussagen und Performances auf einem weltoffenen Festival keinen Platz haben.

Kulturfestival ja – Nahost-Debatte an anderer Stelle

Eine Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt kann in geeigneten Formaten sinnvoll und notwendig sein, jedoch nicht im Rahmen eines Festivals, das Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugung zusammenbringen möchte. Für eine derart aufgeheizte und polarisierte Thematik bietet ein Kulturfestival nicht den richtigen Rahmen, zumal hier der Schutz von Besucherinnen und Besuchern im Vordergrund stehen muss. Ziel muss es sein, unpolitische Begegnungsräume zu wahren, in denen Vielfalt, Kultur und Miteinander im Mittelpunkt stehen.

Dialogangebot für die Zeit nach dem Festival

Für die angekündigte Aufarbeitung der Geschehnisse rund um das diesjährige Kontakt-Festival steht die DIG Bamberg als Dialogpartner jederzeit zur Verfügung. Gemeinsam mit Stadt, Zivilgesellschaft, Sponsoren und Kulturschaffenden soll daran gearbeitet werden, das Festival langfristig als sicheren, inklusiven Ort frei von Antisemitismus und Judenhass zu sichern.

Jochen Lupprian
Stellvertretender Vorsitzender, DIG Bamberg

Dream.Fracture – Zerbrochene Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander

Die Ausstellung Dream.Fracture von Batia Holin ist eine tief bewegende Reflexion über die dramatischen Ereignisse vom 7. Oktober und die zerbrochenen Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander – eine echte Grenzerfahrung nur unweit vom Grenzzaun zu Gaza.

Batia Holin erklärt dazu:

„Ich schätze es sehr, denn ich denke, dass jeder auf dieser Welt diese Ausstellung sehen muss und was mit uns am 7. Oktober geschehen ist.“

Sie führt aus:

„Diese Ausstellung basiert auf einer Ausstellung, die ich im Februar 2023 mit einem palästinensischen Partner aus Gaza gemacht habe. Sie hieß ‚Between Us‘ und zeigte Bilder der Grenze von Gaza, Niram, sowie Bilder von beiden Seiten des Zauns.“

Damals war die Perspektive hoffnungsvoll:

„Die Ausstellung von 2023 war sehr optimistisch, viele Menschen dachten, dass es vielleicht eine Chance gibt, in Koexistenz mit anderen Nachbarn zu leben und dass das Leben gut sein wird.“

Doch nach dem 7. Oktober veränderte sich alles drastisch:

„Mein Partner in dieser Ausstellung versuchte am 7. Oktober, mich zu töten. Ich habe einen großen Bruch erlitten. Jetzt zeige ich, was der Traum (Dream) des letzten Jahres war und den Bruch (Fracture) nach dem 7. Oktober – wie es damals aussah und heute aussieht.“

Nach ihrer ersten Station in Tel Aviv zog die Ausstellung weiter nach Miami, San Diego und New York und ist mittlerweile auch deutschlandweit bekannt. Batia Holin hofft, dass „Dream.Fracture“ international Aufmerksamkeit für die schmerzhaften Brüche, aber auch die verlorenen Träume einer möglichen friedlichen Zukunft schaffen kann.

Erstmals führte Hermann Waltz, ein Freund und Wegbegleiter der Künstlerin, am Israeltag der DIG Bamberg in die Ausstellung ein. Nun wurde sie in Kooperation der DIG Bamberg mit dem Antisemitismusbeauftragten der Stadt Bamberg, Patrick Nietzsche, auch noch einem breiteren Publikum in der Infothek im Rathaus am Maxplatz gezeigt; sie läuft noch bis Freitag, 13.06.2025.

Jonas Glüsenkamp, 2. Bürgermeister der Stadt Bamberg zur Eröffnung der Ausstellung am 10.06.:

„Die Situation auf beiden Seiten des Grenzzauns am Gaza-Streifen scheint vielleicht weit weg, aber sie betrifft uns unmittelbar. Sie macht deutlich, wie eng Hoffnung und Schrecken beieinander liegen können. Ich danke allen Beteiligten, dass diese Ausstellung im Rathaus gezeigt werden kann. Die Situation kann und darf uns nicht kalt lassen, wir müssen sie an uns ranlassen.“


Der Fränkische Tag berichtete unter dem Titel Schmerz und Hoffnung einer Israelin: Batia Holin in Bamberg (hinter Paywall)


Foto #1: Nahum Holin, Public | Foto #2 (c) Batia Holin | Foto #3 (c) Heinrich Kolb

Impressionen vom Israeltag der DIG Bamberg

Einige Impressionen von unserem Israeltag vergangenen Sonntag am 25.05.25 in Bamberg – 60 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland–Israel.

Nach den einleitenden Worten unseres 2. Vorsitzenden Jochen Lupprian (Moderator und Chef-Organisator <3 ) startete Lisa Badum, MdB, Mitglied im Präsidium der DIG und aktive Unterstützerin der Bamberger DIG als Referentin:


Lisa eröffnete ihre Rede mit familiärem Bezug, mit christlichen Wurzeln und ihrem Bruder der in Haifa seinen Doktor gemacht hatte: „Es ist ein Land, das permanent unter Beschuss steht, das kompliziert ist und trotzdem noch
Energie und Zeit hat, Liebenswertes und Willkommen für Besucherinnen und Besucher auszustrahlen. Und das ist einzigartig.“

Durch Werner Loval (geb. Löbl) ließ sie einen ehemaligen Bamberger und Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums zu Wort kommen: „Seit meinem ersten Nachkriegsbesuch habe ich enge Verbindungen zu Deutschland. Dies liegt daran, dass die Erinnerung unserer Familie an die Zeit vor 1933 von einem glücklichen Zusammenleben geprägt war und dass die deutschen Regierungen nach dem Krieg die grundlegende Entscheidung trafen, das Schicksal Deutschlands an westliche Werte, westliche Prinzipien und demokratische Ideale zu knüpfen.“

Die Lehren der deutschen Geschichte seien unmissverständlich: „die Sicherung der Existenz Israels und die Verteidigung universeller Menschenrechte […] dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“
„Am Ende bleibt die Frage: stehen wir auf der Seite von Leben, Wissenschaft und Demokratie? Oder auf der Seite des Terrors, des Todes, des Fanatismus? Dabei dürfen wir nicht ignorieren, dass manche vermeintlichen Akteure des Friedens mit ihren Forderungen nur eines erreichen würden: die ersten Schritte zur Zerstörung Israels.“

Abschließend betonte sie in ihrer Funktion als Klimapolitikerin die technischen Möglichkeiten und ein Thema des israelischen Präsidenten Isaac Herzog – den erneuerbaren Nahen Osten. Israel kann mit seinen Technologien maßgeblich dazu beitragen, dass der Nahe Osten in Zeiten des Klimawandels weiter gedeihen kann.

Hier ihre Rede komplett (PDF)

David Weissmann, vom Vorstand des Verbandes Jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) schilderte in eindrucksvollen Worten die aktuelle Situation jüdischer Studierender in Deutschland – geprägt von wachsendem Antisemitismus und Israelhass, besonders an Hochschulen. Er berichtete von antisemitischen Parolen an Universitäten, Hassbotschaften auf Social Media und mangelnde gesellschaftlicher Solidarität.
Weissmann forderte aktives Handeln gegen Antisemitismus und betonte, wie wichtig Israel als Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden weltweit geworden ist.
Trotz der allzeit bereiten gepackten Koffer zeigte er sich kämpferisch: „Am Israel Chai!

Hier seine Rede komplett (PDF)

Die Rede von Patrick Nietzsche, dem Antisemitismusbeauftragten der Stadt Bamberg, fand grosse Beachtung und Beifall. Wir haben sie hier bereits veröffentlicht: Lügen und falsche Narrative als Waffe gegen Israel.

Martin Mocker berichtete eindrücklich und lebendig mit Bildern aus dem Negev über seine Zeit als bei Volunteers for Israel – Sar-El im Negev.

Dr. Antje Yael Deusel, Rabbinerin der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan HaTfila in Bamberg, gedachte abschließend mit zwei Gebeten der Opfer des 7. Oktobers, den Opfern des Attentats von Washington und allen Opfern des Krieges

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Susanne Hofmann und einer ihrer Schülerinnen: „Indigo“ von David Orlovsky und „Hine ma tov“


Hermann Waltz, Vorsitzender des Freundeskreises Synagoge Hainsfahrt, stellte die bereits in Tel Aviv und New York präsentierte Fotoausstellung Dream.Fracture der Israelin Batia Holin vor.

Diese zeigt die Eindrücke der Künstlerin vor und nach dem Zivilisationsbruch der Hamas vom 7. Oktober 2023 lebensreal und aus nächster Umgebung, nur 800m nahe der Grenze zu Gaza.

Wir danken allen Beteiligten, den Gästen, auch aus dem Bamberger Stadtrat, ebenso wie dem Schirmherren der Veranstaltung, Oberbürgermeister Andreas Starke, der leider nicht anwesend sein konnte.
Ein ganz grosses Dankeschön auch der Schulleitung des Franz-Ludwig-Gymnasiums Bamberg für die Unterstützung und dafür, dass wir den Israeltag in der wunderbaren Aula des FLG würdig begehen konnten.
Und natürlich auch an den lieben Heinrich Kolb, der uns wieder so schöne Fotos zur Verfügung gestellt hat <3

Der Israeltag endete mit einem Sektempfang (Privatspende) und einem Buffet, gesponsort von Ali Baba’s Spezialitäten in Bamberg. Herzlichen Dank auch ihnen.

Eine kleine Galerie mit weiteren Impressionen vom Israeltag:


Lügen und falsche Narrative als Waffe gegen Israel

Patrick Nitzsche: Rede anlässlich des Israeltages der Deutsch-Israelischen Gesellschaft am 25.05.2025 in Bamberg:

60 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland–Israel

„Falsche Narrative werden von extremistischen Gruppen aktiv genutzt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren – und das mit Erfolg.“

Wir veröffentlichen die Rede von Patrick Nitzsche, dem Antisemitismusbeauftragten der Stadt Bamberg auf dem Israeltag der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bamberg am 25.05.2025. Links im Bild der 2. Vorsitzende der DIG Bamberg, Jochen Lupprian.


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde Israels,

es ist mir eine große Ehre, heute am Israeltag zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Wir blicken heute auf 60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zurück – eine Beziehung, die auf Verantwortung, Dialog und Freundschaft basiert.

Dies ist angesichts der deutschen und damit unserer eigenen Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit. Die historischen Verbindungen zwischen dem deutschen Nationalsozialismus und islamistischen Strömungen sind gut dokumentiert. Bereits während des Zweiten Weltkriegs kooperierte das NS-Regime mit islamistischen Akteuren, darunter der Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, ein glühender Antisemit und enger Verbündeter Hitlers. Al-Husseini unterstützte nicht nur die antisemitische Propaganda der Nazis, sondern war aktiv an der Rekrutierung von muslimischen SS-Divisionen beteiligt. Diese ideologische Nähe erstreckte sich über Jahrzehnte, und ihre Nachwirkungen zeigen sich bis heute.

Yassir Arafat, langjähriger Führer der PLO, pflegte enge Kontakte zu ehemaligen NS-Kollaborateuren und machte sich antisemitische Narrative zunutze, um seine Politik zu legitimieren. Besonders im Nahostkonflikt wurden NS-Propagandastrategien adaptiert, um Israel als illegitimen Staat darzustellen und gegen jüdisches Leben zu hetzen. Diese historischen Verbindungen verdeutlichen, dass Antisemitismus kein rein europäisches Problem war, sondern global verflochten ist und bis heute in islamistischen Ideologien eine tragende Rolle spielt.

Während wir heute 60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel feiern, müssen wir auch die wachsenden Bedrohungen erkennen, die diese Partnerschaft infrage stellen. Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist der israelbezogene Antisemitismus, der sich in offenen und versteckten Formen zeigt. Dieser tritt nicht nur in der politischen Diskussion auf, sondern auch auf unseren Straßen – in Form von Hassparolen, verzerrten Narrativen und gezielten Lügen über Israel und das jüdische Volk.

Lügen und falsche Narrative als Waffe gegen Israel

Die Hamas und ihre Sympathisanten verfolgen eine klare Strategie: Sie verbreiten gezielt Desinformationen, um Israel zu delegitimieren und Hass gegen Juden zu schüren:

  • Die Behauptung, Israel begehe „Völkermord“ in Gaza, ist eine bewusste Verdrehung der Tatsachen. Israel verteidigt sich gegen eine Terrororganisation, die unschuldige Menschen als Geiseln hält.
  • Im vergangenen Jahr lag das Bevölkerungswachstum in Gaza bei 2% – Völkermord sieht anders aus.
  • Die Darstellung Israels als „Aggressor“ ignoriert die Realität: Den brutalen Angriff der Hamas am 7. Oktober, bei dem über 1.200 Menschen ermordet und Hunderte verschleppt wurden.
  • Die Gleichsetzung von Terror mit legitimer Selbstverteidigung ist eine moralische Bankrotterklärung, die den Opfern des Terrors ihre Menschlichkeit abspricht.

Diese falschen Narrative werden von extremistischen Gruppen aktiv genutzt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren – und das mit Erfolg.

Dabei erleben wir eine gefährliche Allianz zwischen links- und rechtsextremen Kräften, die ihre ideologischen Differenzen beiseiteschieben, wenn es darum geht, Israel und das jüdische Volk anzugreifen.

Eine der hartnäckigsten und emotional aufgeladensten Fehlinformationen ist die sogenannte Nakba-Lüge – die Behauptung, Israel sei alleinverantwortlich für die Vertreibung und das Leid der Palästinenser nach der Staatsgründung 1948.

Es ist wichtig, die historischen Fakten klar darzulegen:

Die Nakba wird oft ausschließlich als Zitat „die Katastrophe der Palästinenser“ beschrieben, während die Realität weit komplexer ist.

  • Eine als solche empfundene Vertreibung war keineswegs das Ziel Israels, sondern eine direkte Folge des Kriegs, den fünf arabische Staaten unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung gegen Israel führten. Diese riefen arabische Menschen gezielt dazu auf, zu den Waffen zu greifen und Israel am Tag seiner Gründung zu vernichten. Die meisten sind diesem Ruf willentlich gefolgt und haben ihr Hab und Gut bewusst aufs Spiel gesetzt und – nun mal verloren.
  • Die arabischen Führer haben die arabische Bevölkerung gezielt ermutigt, das Gebiet zu verlassen – mit dem Versprechen, nach einem schnellen militärischen Sieg reich belohnt zurückkehren zu können. Es war keine systematische Deportation durch Israel, sondern eine Kombination aus Kriegsfolgen und politischen Entscheidungen arabischer Staaten und von „Zivilisten“.
  • Es wird zudem ignoriert, dass Hunderttausende Juden aus arabischen Ländern vertrieben wurden und ihr gesamtes Hab und Gut verloren, ohne dass man deren Leid als „Nakba“ bezeichnet hätte. In der Fachliteratur ist dies die „Vergessene Million“.

Diese Narrative werden jedoch bewusst benutzt, um Israel als einen Staat der „ethnischen Säuberung“ darzustellen – eine gefährliche Verzerrung, die Antisemitismus befeuert und als moralische Grundlage für antiisraelische Gewalt genutzt wird.

Die Bezeichnung Israels als „Besatzungsmacht“ im Westjordanland und insbesondere im Gazastreifen ist ahistorisch und kontrafaktisch, da sie die tatsächlichen politischen und rechtlichen Entwicklungen ignoriert. Seit 2005 ist Gaza nicht mehr unter israelischer Kontrolle – Israel zog sich im Rahmen der sogenannten „Gaza-Disengagement“-Politik vollständig aus dem Gebiet zurück, räumte alle Siedlungen und Militärstützpunkte und überließ die Verwaltung den Palästinensern. Dennoch wird Israel weiterhin fälschlicherweise als Besatzungsmacht dargestellt, obwohl die Hamas nach dem gewaltsamen Machtwechsel 2007 die alleinige Kontrolle über Gaza innehatte und keinerlei israelische Präsenz mehr existierte.

Im Westjordanland ist die Situation ebenfalls komplexer, als es der Begriff „Besatzung“ vermuten lässt: Die palästinensische Autonomiebehörde verwaltet große Teile des Gebiets selbst, und gemäß den Oslo-Verträgen gibt es eine abgestufte Kontrollstruktur mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten zwischen Israel und der palästinensischen Führung. Die Behauptung einer vollständigen israelischen „Besatzung“ ignoriert diese Abmachungen und die rechtlichen sowie historischen Gegebenheiten. Zudem blendet sie aus, dass das Westjordanland vor 1967 kein souveräner Palästinenserstaat war, sondern unter jordanischer Kontrolle stand – eine wesentliche Tatsache, die häufig unterschlagen wird.

Extremismus auf deutschen Straßen – Propalästinensische Demonstrationen als Plattform für Judenhass

Besonders alarmierend ist, dass dieser Hass nicht nur im digitalen Raum existiert, sondern sich auch auf deutschen Straßen manifestiert. In Bamberg und anderen Städten erleben wir Demonstrationen, die angeblich für die Rechte der Palästinenser eintreten, in Wahrheit aber eine Plattform für Antisemitismus und Gewalt bieten.

Wenn Teilnehmer, darunter deutlich Minderjährige, geschlossen in unseren Städten ungestört „Von Bamberg bis nach Gaza, Yallah Intifada“ skandieren, dann müssen wir die rhetorische Frage stellen:

Begreifen sie, was sie da rufen?

Der Begriff „Intifada“ ist kein friedlicher Ausdruck – er steht für Aufstände, die mit Terror und Mord an unschuldigen Menschen verbunden sind.

Die Beteiligung von Rechtsextremen, Menschen aus der sogenannten “Mitte der Gesellschaft” und wie in Bamberg besonders tonangebenden Linksextremen an solchen Demonstrationen zeigt, dass Antisemitismus keine politische Richtung kennt – er vereint Extreme in ihrem Hass auf Israel und das jüdische Volk.

Warum uns das alle betrifft

Diese Entwicklungen dürfen nicht als ein Problem der jüdischen Gemeinschaft oder Israels allein betrachtet werden. Sie betreffen uns alle:

  • Wenn Extremisten ungehindert Hass verbreiten, gefährden sie die Grundwerte unserer Demokratie.
  • Wenn Menschen in Bamberg zu Gewalt aufrufen oder aufgerufen werden, wird unsere Gesellschaft vor unseren Augen moralisch untergraben.
  • Wenn Lügen und Verzerrungen akzeptiert werden, geraten Wahrheit und Gerechtigkeit in Gefahr.

Deshalb rufe ich heute hier – an diesem bedeutenden Tag – alle Demokraten auf, sich entschieden gegen diesen Hass zu stellen:

Wir dürfen nicht schweigen!
Wir müssen den Lügen mit Wahrheit entgegentreten!
Wir müssen unsere jüdischen Brüder und Schwestern schützen und Solidarität mit Israel zeigen!

Die deutsch-israelische Freundschaft ist eine Errungenschaft, die es zu bewahren gilt. Lassen Sie uns gemeinsam für eine Welt kämpfen, in der Antisemitismus keinen Platz und „Nie wieder“ eine praktische Konsequenz hat.

Herzlichen Dank, Toda Raba, Am Israel Chai!


Danke Patrick.

Fotos: (c) Heinrich Kolb 2025 – wir danken für die Genehmigung

Israeltag der DIG Bamberg: 60 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Andreas Starke

Es sprechen:

  • Lisa Badum, MdB, Präsidium DIG
  • David Weissmann, Vorstand VISB
  • Patrick Nietzsche, Antisemitismusbeauftragter der Stadt Bamberg
  • Martin Mocker, Sar-El Volontär
  • Dr. Antje Yael Deusel, Liberale Jüdische Gemeinde Mischkan HaTfila Bamberg

Begleitet werden die Vorträge von den Ausstellungen Dream.Fracure (Batia Holin) und Coming Home Soon (Inbar Hasson).

Anmeldung erforderlich per https//gstoo.de/IsraeltagBA

Der 7.10. und der israelische Fußball

Vortrag von Oliver Vrancovic

Mittwoch, 14.05.2025, 18:30 Uhr
Fuchs Park Stadion Bamberg, VIP-Raum
Pödeldorfer Straße 180, 96050 Bamberg

Der 7. Oktober hat Israel erschüttert…

… wie spiegeln sich das Trauma des Judenmordes am 7. Oktober 2023 in Israel, der folgende Krieg und die Bedrohung im Alltag des multiethnischen und multikulturellen Staates wider?

Oliver Vrankovic, der einen Blog über israelischen Fußball betreibt, zeigt exemplarisch am Beispiel des israelischen Fußballs und der israelischen Fankultur auf, wie allgegenwärtig der 7.10. ist.

Hintergrund: Der 7. 10. ist in Israel ständig präsent und alles prägend. In der andauernden Geiselnahme findet die Grausamkeit ihre Fortsetzung und beschwört Bilder des Holocaust herauf. Das Versprechen “Nie Wieder!” wurde gebrochen. Der 7. Oktober ist für die Israelis nicht abgeschlossen und die Aufarbeitung eine schwierige Herausforderung. Ideologien wurden erschüttert und fest gepflegte Überzeugungen haben sich als falsch erwiesen.

Ein Schwerpunkt ist die Erörterung der Möglichkeit eines Neuanfangs für die israelische Gesellschaft, der durch das fortwährende Trauma, die wieder ausgebrochene Spaltung der Gesellschaft, die Undenkbarkeit eines Auskommens mit den Palästinensern und die großen Bedrohungsszenarien in der Region und der weltweite Antisemitismus eine große Herausforderung darstellt. An den Realitäten, die die Israelis zum Umdenken gezwungen haben, lassen sich auch von deutschen Medien und Entscheidungsträgern gepflegte Irrtümer aufdecken. Irrtümer, die es dringend zu vermeiden gilt.

Oliver Vrankovic wirft einen Blick auf den israelischen Fußball und die Fankurven als Beispiel für die schwierigen Herausforderungen des Umgangs mit dem 7.10. und dessen Aufbereitung sowie die Möglichkeiten des Neuanfangs.

Oliver Vrankovic hat die überfallenen Kibbutzim besucht, mit vielen Überlebenden, Angehörigen von Ermordeten und Gefallenen, mit Reservisten und Evakuierten gesprochen, über zivilgesellschaftliches Engagement berichtet und viele Diskussionen mit linkszionistischen Funktionären und Aktivisten geführt und über ein Jahr hinweg aufmerksam die Nachrichten, Expertenrunden und die Stimmung auf der Straße verfolgt und festgehalten.

Als Vorsitzender der DIG Stuttgart fragt er stetig danach, was die Aufgabe der deutschen Israelsolidarität in diesen Tagen ist.

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V.
Arbeitsgemeinschaft Bamberg
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Kontakt

Run for their Lives

Das erste Mal Run for their Lives in Bamberg.

Am 18. Februar 2025 gegen 18.00 Uhr startete der erste Marsch für die Geiseln durch die Stadt Bamberg. Immerhin 20 Unterstützer und Unterstützerinnen liefen 45 min vereint für die Geiseln, die seit über 500 Tagen unter grausamsten Bedingungen von den Hamas-Terroristen gehalten werden.

Kurz vorher erreichte uns noch die traurige Nachricht, dass die Familie Bibas ermordet wurde. Was für ein Monster muss man sein, um ein Kleinkind und ein Baby zu ermorden?

Auf der abschließenden Kundgebung gedachten die Teilnehmenden der Opfer des Terrors und wiesen auf die Gefahren des Antisemitismus hin. Die Rede des 2. Vorsitzenden der DIG Bamberg, Jochen Lupprian, finden Sie hier (PDF).

Zuletzt wurde noch auf das Projekt @cominghomesoon.online der Künstlerin Hasson Inbar aufmerksam gemacht und Postkarten der Geiseln verteilt.

Herzlichen Dank an Jasmin Wahl @radiobamberg für die Begleitung und das Interview, sowie radiobamberg für die freundliche Berichterstattung und die Bildgenehmigung.