
Bamberg: Kundgebung der DIG für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus am 13.06.2026 verhindert
„Bis zum 13.06.2026 konnten sich Jüdinnen und Juden und deren Freunde in Bamberg nach 1945 sicher fühlen – dies ist inzwischen Geschichte.“
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bamberg musste ihre für den 13. Juni 2026 auf der Jahnwiese angemeldete Kundgebung unter dem Motto „Damals wie heute“ vorzeitig abbrechen. Die Veranstaltung sollte ein Zeichen für Völkerverständigung, gegen Antisemitismus und für eine Zwei-Staaten-Lösung setzen, konnte jedoch aufgrund von Übergriffen einer Gruppe Störer und Randalierer nicht wie geplant stattfinden.
Ablauf des 13. Juni
Die DIG hatte beim Ordnungsamt eine Versammlung von 15:45 bis 18:30 Uhr angezeigt. Nachdem acht Mitglieder der DIG Bamberg und weitere Unterstützer den ihnen zugewiesenen Standort eingenommen und die Veranstaltung durch Israelflaggen und jüdische Musik sichtbar gemacht hatten, erschien in kurzem Abstand eine etwa 20-köpfige Gruppe aus dem Umfeld der Initiative „Bamberg for Free Palestine“. Nach Einschätzung der DIG handelte es sich um eine nicht angemeldete Versammlung, da eine gleichzeitige Genehmigung zweier inhaltlich gegensätzlicher Kundgebungen am selben Ort als ausgeschlossen angesehen wird.
Als Mitglieder der DIG die Situation dokumentieren wollten, kam es nach ihren Angaben zu körperlichen und verbalen Angriffen. Ein Mitglied wurde dabei schmerzhaft an den Armen fixiert, ein anderes mit der Aussage „Du willst doch nur die Eier von Netanyahu lecken“ beleidigt. Die zwischenzeitlich eintreffende Polizei wurde von beiden Seiten hinzugezogen, nahm Personalien auf und leitete Strafanzeigen ein, um die Vorfälle rechtsstaatlich aufarbeiten zu lassen. Gegen die Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ wurde ein Platzverweis ausgesprochen; die Personen mussten den Bereich der Jahnwiese verlassen und sich in größerer Entfernung aufhalten.
Entscheidung zum Abbruch und Bewertung
Trotz des polizeilichen Einschreitens entschieden die DIG-Mitglieder, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht fortzuführen. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre und der bereits erfolgten Übergriffe verzichteten sie auf ihre vorbereiteten Redebeiträge und verließen die Jahnwiese schließlich unter Polizeischutz.
Aus Sicht der DIG markiert es eine Zäsur, dass eine angemeldete jüdische bzw. pro-jüdische Friedensveranstaltung in Bamberg nicht durchgeführt werden kann, weil Teilnehmende körperliche und verbale Angriffe befürchten müssen.
Die DIG weist zudem darauf hin, dass auf dem Instagram-Auftritt von „Bamberg for Free Palestine“ nach ihrer Auswertung antisemitische und volksverhetzende Inhalte verlinkt werden. Genannt werden unter anderem Darstellungen, in denen Jüdinnen und Juden den Holocaust angeblich „erfunden“ hätten, um eine Opferrolle zu beanspruchen, sowie Bildmotive, die Juden mit Nationalsozialisten gleichsetzen und nationalsozialistische Verbrechen relativieren. Die DIG kritisiert, dass dieselbe Gruppe, die sich öffentlich über „Zensur“ und „Repression“ beklagt, antisemitische Inhalte verbreitet und gleichzeitig eine pro-jüdische Kundgebung physisch stört.

Foto: Screenshot Instagram-Auftritt der Gruppe
Dank an die Polizei und politische Forderung
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bamberg dankt den eingesetzten Beamtinnen und Beamten ausdrücklich für ihr konsequentes und zugleich besonnenes Vorgehen. Die Polizei hat die Vorfälle aufgenommen, Personalien festgestellt und die notwendigen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen, wodurch eine weitere Eskalation verhindert wurde.
Abschließend fordert die DIG die Stadt Bamberg auf, sich weiterhin eindeutig und konsequent gegen jede Form des Antisemitismus zu positionieren – unabhängig davon, ob dieser aus rechten, dschihadistischen oder vermeintlich linken Milieus stammt. Ziel ist, dass sich Jüdinnen und Juden sowie ihre Freundinnen, Freunde und antifaschistischen Unterstützer in Bamberg wieder sicher fühlen können und dass Engagement für Völkerverständigung und Frieden im Nahen Osten öffentlich und ohne Angst möglich bleibt.

Leave a Reply