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Bamberg: Kundgebung der DIG für Völkerverständigung und gegen Antisemitismus am 13.06.2026 verhindert

„Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Sicherheitslage für Jüdinnen und Juden und deren Freunde weltweit grundlegend verändert – seit dem 13. Juni 2026 gilt das nun auch vor Ort.“

Jochen Lupprian, 2. Vorsitzender DIG Bamberg

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bamberg musste ihre für den 13. Juni 2026 auf der Jahnwiese angemeldete Kundgebung unter dem Motto „Damals wie heute“ vorzeitig abbrechen. Die Veranstaltung sollte ein Zeichen für Völkerverständigung, gegen Antisemitismus und für eine Zwei-Staaten-Lösung setzen, konnte jedoch aufgrund von Übergriffen einer Gruppe Störer und Randalierer nicht wie geplant stattfinden.

Ablauf des 13. Juni

Die DIG hatte beim Ordnungsamt eine Versammlung von 15:45 bis 18:30 Uhr angezeigt. Nachdem Mitglieder der DIG Bamberg und weitere Unterstützer den ihnen zugewiesenen Standort eingenommen und die Veranstaltung durch Israelflaggen und jüdische Musik sichtbar gemacht hatten, erschien in kurzem Abstand eine etwa 20-köpfige Gruppe aus dem Umfeld der Initiative „Bamberg for Free Palestine“. Nach Einschätzung der DIG handelte es sich um eine nicht angemeldete Versammlung, da eine gleichzeitige Genehmigung zweier inhaltlich gegensätzlicher Kundgebungen am selben Ort als ausgeschlossen angesehen wird.

Als Mitglieder der DIG die Situation dokumentieren wollten, kam es zu körperlichen und verbalen Angriffen. Ein Mitglied wurde dabei schmerzhaft an den Armen fixiert, ein anderes mit der Aussage „Du willst doch nur die Eier von Netanyahu lecken“ beleidigt. Die zwischenzeitlich eintreffende Polizei nahm Personalien auf und leitete Strafanzeigen ein, um die Vorfälle rechtsstaatlich aufarbeiten zu lassen. Gegen die Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ wurde ein Platzverweis ausgesprochen; die Personen mussten den Bereich der Jahnwiese verlassen und sich in größerer Entfernung aufhalten.

Entscheidung zum Abbruch und Bewertung

Trotz des polizeilichen Einschreitens entschieden die DIG-Mitglieder, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht fortzuführen. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre und der bereits erfolgten Übergriffe verzichteten sie auf ihre vorbereiteten Redebeiträge und verließen die Jahnwiese schließlich unter Polizeischutz.

Aus Sicht der DIG markiert es eine Zäsur, dass eine angemeldete jüdische bzw. pro-jüdische Friedensveranstaltung in Bamberg nicht durchgeführt werden kann, weil Teilnehmende körperliche und verbale Angriffe befürchten müssen.

Die DIG weist zudem darauf hin, dass auf dem Instagram-Auftritt von „Bamberg for Free Palestine“ nach ihrer Auswertung antisemitische und volksverhetzende Inhalte verlinkt werden. Genannt werden unter anderem Darstellungen, in denen Jüdinnen und Juden den Holocaust angeblich „erfunden“ hätten, um eine Opferrolle zu beanspruchen, sowie Bildmotive, die Juden mit Nationalsozialisten gleichsetzen und nationalsozialistische Verbrechen relativieren. Die DIG kritisiert, dass dieselbe Gruppe, die sich öffentlich über „Zensur“ und „Repression“ beklagt, antisemitische Inhalte verbreitet und gleichzeitig eine pro-jüdische Kundgebung physisch stört.

Foto: Screenshot Instagram-Auftritt der Gruppe

Dank an die Polizei und politische Forderung

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bamberg dankt den eingesetzten Beamtinnen und Beamten ausdrücklich für ihr konsequentes und zugleich besonnenes Vorgehen. Die Polizei hat die Vorfälle aufgenommen, Personalien festgestellt und die notwendigen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen, wodurch eine weitere Eskalation verhindert wurde.

Abschließend fordert die DIG die Stadt Bamberg auf, sich weiterhin eindeutig und konsequent gegen jede Form des Antisemitismus zu positionieren – unabhängig davon, ob dieser aus rechten, dschihadistischen oder vermeintlich linken Milieus stammt. Ziel ist, dass sich Jüdinnen und Juden sowie ihre Freundinnen, Freunde und antifaschistischen Unterstützer in Bamberg wieder sicher fühlen können und dass Engagement für Völkerverständigung und Frieden im Nahen Osten öffentlich und ohne Angst möglich bleibt.

Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken für Michael Genniges (AfD) – ein falsches Signal

Bamberg, Juni 2026 – Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Arbeitsgemeinschaft Bamberg protestiert ausdrücklich gegen die Verleihung der Ehrenmedaille in Silber des Bezirks Oberfranken an Michael Genniges.

Nicht die Person von gestern, sondern die von heute zählt

Eine Ehrenmedaille ist keine Auszeichnung für Vergangenes allein – sie ist ein öffentliches Zeichen der Wertschätzung für eine Persönlichkeit in ihrer Gesamtheit. Michael Genniges mag als Buchhändler und früherer DIG-Vorsitzender kulturelle Verdienste erworben haben. Doch Genniges hat sich von diesen Verdiensten politisch weit entfernt. Seit etwa 2018 hat er eine eindeutige Entwicklung nach Rechtsaußen vollzogen, die in seiner AfD-Mitgliedschaft und seinem Amt als AfD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag Bamberg gipfelte.

Was die Ehrung verschweigt

Der Bezirk Oberfranken ehrt Genniges unter anderem für sein Engagement gegen Antisemitismus. Das ist angesichts seiner heutigen Parteizugehörigkeit nicht nur widersprüchlich – es ist irreführend. Die DIG Bamberg hat aus genau diesem Grund 2021 die Konsequenzen gezogen: Nach dem Rücktritt des zweiten Vorsitzenden und weiterer Vorstandsmitglieder als Protest gegen Genniges‘ AfD-Funktionärstätigkeit hielt er, trotz eines Mitgliedervotums für eine ausserordentliche Mitgliederversammlung, dennoch satzungswidrig an seinem Amt fest. Erst auf der Mitgliederversammlung im Juli 2021 wurde er abgelöst. Der neu gewählte Vorstand machte unmissverständlich klar: Entsprechend der Magdeburger Erklärung des DIG-Bundesverbands ist für die DIG jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen.

Ein politisches Signal – ob gewollt oder nicht

Wer heute einen aktiven AfD-Politiker wie Michael Genniges öffentlich ehrt, normalisiert eine Partei, die Demokratie, Pluralismus und den Schutz von Minderheiten grundsätzlich in Frage stellt. Der Bezirkstag hätte wissen können und müssen, welches Signal er damit sendet.

Die DIG Bamberg fordert den Bezirk Oberfranken auf, solche Auszeichnungen künftig nicht allein an vergangene Verdienste zu knüpfen, sondern die gesamte politische Gegenwart der zu Ehrenden in den Blick zu nehmen.

Pressemitteilung zum Download (PDF)


Foto: Bezirk Oberfranken/Sabine Heid

Ein Musterbeispiel demokratischer Zusammenarbeit: Antisemitische Acts vom Kontakt-Festival Bamberg ausgeladen

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Bamberg begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Organisationsteams des Kontakt-Festivals, die geplanten Auftritte der Gruppe „Students for Palestine Würzburg“ sowie der Rapperin „Sorah“ abzusagen. Damit ist ein wichtiges Signal gegen Antisemitismus und Judenhass in der Bamberger Kulturszene gesetzt worden.
Zum Kontakt-Festival

Die DIG Bamberg dankt allen demokratischen Kräften, die sich in den vergangenen Tagen entschieden gegen antisemitische Inhalte im Programm des Kontakt-Festivals eingesetzt haben. Durch den koordinierten Hinweis verschiedener Akteure auf die Problematik der geplanten Auftritte reagierten die DIG Würzburg, die DIG Bamberg, KIBA Bamberg, die liberale jüdische Gemeinde Mischkan HaTfila, die Universität, mehrere Sponsoren sowie der neu gewählte Stadtrat der Stadt Bamberg in vorbildlicher Weise und im gemeinsamen Verständnis. So wurde erreicht, dass Antisemitismus und Judenfeindlichkeit auf der Bühne des Festivals keinen Raum erhalten.

Gemeinsamer Erfolg vieler engagierter Akteure

Die DIG Bamberg wünscht sich ein buntes, weltoffenes Kontakt-Festival und nimmt den Ausschluss antiisraelischer Acts durch das Organisationsteam ausdrücklich positiv auf. Zugleich wird betont, dass die Arbeit der zahlreichen Ehrenamtlichen sehr geschätzt wird und sich die Kritik nie gegen das Festival als solches, sondern ausschließlich gegen antisemitische Inhalte gerichtet hat. Es bleibt ein gemeinsames Ziel, kulturelle Räume zu schaffen, in denen alle Menschen friedlich, unbesorgt und ohne Angst vor Judenhass feiern können.

Warum Antisemitismus klar benannt werden muss

Die aktuellen Vorgänge zeigen, wie wichtig es ist, Antisemitismus klar zu benennen und nicht zu relativieren. Allzu oft tarnt er sich als vermeintlich politische Kritik und entfaltet gerade dort seine toxische Wirkung, wo Menschen unvorbereitet sind. Die DIG Bamberg unterstreicht, dass der 7. Oktober 2023 drastisch vor Augen geführt hat, welche Konsequenzen eine Verharmlosung antisemitischer Hetze haben kann, und dass entsprechende Aussagen und Performances auf einem weltoffenen Festival keinen Platz haben.

Kulturfestival ja – Nahost-Debatte an anderer Stelle

Eine Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt kann in geeigneten Formaten sinnvoll und notwendig sein, jedoch nicht im Rahmen eines Festivals, das Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugung zusammenbringen möchte. Für eine derart aufgeheizte und polarisierte Thematik bietet ein Kulturfestival nicht den richtigen Rahmen, zumal hier der Schutz von Besucherinnen und Besuchern im Vordergrund stehen muss. Ziel muss es sein, unpolitische Begegnungsräume zu wahren, in denen Vielfalt, Kultur und Miteinander im Mittelpunkt stehen.

Dialogangebot für die Zeit nach dem Festival

Für die angekündigte Aufarbeitung der Geschehnisse rund um das diesjährige Kontakt-Festival steht die DIG Bamberg als Dialogpartner jederzeit zur Verfügung. Gemeinsam mit Stadt, Zivilgesellschaft, Sponsoren und Kulturschaffenden soll daran gearbeitet werden, das Festival langfristig als sicheren, inklusiven Ort frei von Antisemitismus und Judenhass zu sichern.

Jochen Lupprian
Stellvertretender Vorsitzender, DIG Bamberg

Der 7.10. und der israelische Fußball

Vortrag von Oliver Vrancovic

Mittwoch, 14.05.2025, 18:30 Uhr
Fuchs Park Stadion Bamberg, VIP-Raum
Pödeldorfer Straße 180, 96050 Bamberg

Der 7. Oktober hat Israel erschüttert…

… wie spiegeln sich das Trauma des Judenmordes am 7. Oktober 2023 in Israel, der folgende Krieg und die Bedrohung im Alltag des multiethnischen und multikulturellen Staates wider?

Oliver Vrankovic, der einen Blog über israelischen Fußball betreibt, zeigt exemplarisch am Beispiel des israelischen Fußballs und der israelischen Fankultur auf, wie allgegenwärtig der 7.10. ist.

Hintergrund: Der 7. 10. ist in Israel ständig präsent und alles prägend. In der andauernden Geiselnahme findet die Grausamkeit ihre Fortsetzung und beschwört Bilder des Holocaust herauf. Das Versprechen “Nie Wieder!” wurde gebrochen. Der 7. Oktober ist für die Israelis nicht abgeschlossen und die Aufarbeitung eine schwierige Herausforderung. Ideologien wurden erschüttert und fest gepflegte Überzeugungen haben sich als falsch erwiesen.

Ein Schwerpunkt ist die Erörterung der Möglichkeit eines Neuanfangs für die israelische Gesellschaft, der durch das fortwährende Trauma, die wieder ausgebrochene Spaltung der Gesellschaft, die Undenkbarkeit eines Auskommens mit den Palästinensern und die großen Bedrohungsszenarien in der Region und der weltweite Antisemitismus eine große Herausforderung darstellt. An den Realitäten, die die Israelis zum Umdenken gezwungen haben, lassen sich auch von deutschen Medien und Entscheidungsträgern gepflegte Irrtümer aufdecken. Irrtümer, die es dringend zu vermeiden gilt.

Oliver Vrankovic wirft einen Blick auf den israelischen Fußball und die Fankurven als Beispiel für die schwierigen Herausforderungen des Umgangs mit dem 7.10. und dessen Aufbereitung sowie die Möglichkeiten des Neuanfangs.

Oliver Vrankovic hat die überfallenen Kibbutzim besucht, mit vielen Überlebenden, Angehörigen von Ermordeten und Gefallenen, mit Reservisten und Evakuierten gesprochen, über zivilgesellschaftliches Engagement berichtet und viele Diskussionen mit linkszionistischen Funktionären und Aktivisten geführt und über ein Jahr hinweg aufmerksam die Nachrichten, Expertenrunden und die Stimmung auf der Straße verfolgt und festgehalten.

Als Vorsitzender der DIG Stuttgart fragt er stetig danach, was die Aufgabe der deutschen Israelsolidarität in diesen Tagen ist.

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V.
Arbeitsgemeinschaft Bamberg
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Kontakt

Nennt Ihre Namen!

Mahnwache für die Opfer des Hamas-Terrors 17.10.2023

Auf Initiative der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bamberg und der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan HaTfila fanden sich am Dienstag 17.10. am “Gabelmann” in Bamberg spontan über 70 Menschen zusammen, um unter dem Motto “Nennt ihre Namen!” der Opfer der Hamas-Pogrome vom 7. Oktober zu gedenken.

Niemals seit der Shoah wurden so viele Jüdinnen und Juden an einem Tag ermordet, massakriert, als Geiseln genommen. Über 700 bis dahin bekannte Namen von Opfern mussten wir verlesen.

„Die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten berühren uns alle. Es ist an der Zeit, als Gemeinschaft unser menschliches Mitgefühl für die Opfer der Terroranschläge zu bekunden. Wir bieten daher ein besonderes Format an, das es jedem Bürger unserer Stadt ermöglicht, aktiv am Gedenken teilzunehmen. Wir wollen keine „klugen Reden“ und keine politischen Statements, sondern unser tiefes Mitgefühl für die Opfer und ihre Hinterbliebenen ausdrücken. Wir laden Sie herzlich ein zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des jüngsten grausamen Pogroms. Alle Bürger und Bürgerinnen sind aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und die Namen der Opfer vorzulesen. Die Erinnerung an die Toten und deren Segnung durch Nennung der Namen ist ein alter jüdischer Brauch, der im Buch der Sprüche verankert ist (Bereschit Rabba 49,1). Indem
wir ihre Namen nennen und ihr Andenken ehren, wollen wir ein Zeichen der Solidarität und des Respekts setzen. Es ist uns ein Anliegen, dass diese Veranstaltung ein Ort der Zusammenkunft und des Mitgefühls wird, an dem alle Mitglieder unserer Stadtgesellschaft teilnehmen können, unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Weltanschauung oder ihrer Position in der Gemeinschaft.“

Aus dem Aufruf zur Mahnwache
Auch Dr. Ludwig Spaenle aus München, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Staatsregierung, der Bamberger Antisemitismusbeauftragte Patrick Nietzsche, und als Vertreter der Stadt der 3. Bürgermeister Wolfgang Metzner beteiligten sich und nannten Namen, ehrten das Andenken der Ermordeten.

Die bewegende Veranstaltung schloss mit Gebeten für Israel von Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl (Israelitische Kultusgemeinde Bamberg, verlesen durch ein Gemeindemitglied, da er selbst nicht teilnehmen konnte) und Rabbinerin Dr. Antje Yael Deusel (Liberale Jüdische Gemeinde Mischkan HaTfila).

Wir danken der Polizeiinspektion Bamberg, die die Sicherheit aller Teilnehmenden jederzeit gewährleistete. Grössere Störversuche kamen nicht vor.

Alle Fotos ©Heinrich Kolb 2023. Weitere Bilder hier:

DIG Bamberg Online

Die neue Internetpräsenz der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Bamberg – http://dig-bamberg.de – ist online.

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