Jüdisches Leben prägte unsere Gesellschaft

Ein Abend voller Aha-Momente: Thomas Spindler stellte das Projekt „Arche Musica“ vor

Hätten Sie es gewusst? Bereits im Jahr 1913 wurde der FC Bayern München von einem jüdischen Präsidenten geführt. Mit genau dieser überraschenden Frage zog Thomas Spindler im Tambosi am 13.07.2026 auf Einladung der DIG Bamberg das Publikum gleich zu Beginn seines Vortrags in den Bann – und erntete im Saal spürbares Staunen.

Am Beispiel von Kurt Landauer machte der Referent greifbar, was heute oft in Vergessenheit gerät: Jüdisches Leben war einst eine tragende, völlig selbstverständliche Säule unserer Gesellschaft. Ob in der Wirtschaft, im Sport oder in der Kultur – jüdische Bürgerinnen und Bürger gründeten Unternehmen, schufen Arbeitsplätze, engagierten sich in Vereinen und gestalteten den Alltag Seite an Seite mit ihren Mitmenschen.

Ein musikalisches Symbol der Verbundenheit

Wie tief diese gemeinsame Identität verwurzelt war, zeigt ein ganz besonderer Schatz der Zeitgeschichte: das „Jüdisch-deutsche Liederbuch von 1912“ (Sefer HaShirim).

Das jüdisch-deutsche Liederbuch von 1912 ist in seiner Art und Konzeption weltweit einzigartig.

Der Autor Abraham Zwi Idelsohn (1882–1938) war seiner Zeit weit voraus und schuf es als Sammlung der beliebtesten hebräischen und deutschen Lieder, um sie für den Musikunterricht einzusetzen. Das in der Israelischen Nationalbibliothek von Jerusalem erhaltene Original ist ein herausragender Beleg der gleichberechtigten Verwendung hebräischer und deutscher Musik.

Es spiegelt auch den jüdischen Traum wider, als gleichberechtigte Bürger in Deutschland anerkannt zu werden. Dieser Traum zerbrach 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

„Arche Musica“: Geschichte, die wieder hörbar wird

Genau hier setzt die Arbeit des deutsch-israelischen Forschungsprojekts Arche Musica an, das Thomas Spindler dem Publikum vorstellte. Das engagierte Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, die oft vergessene jüdische Musikkultur zu erforschen, zu digitalisieren und vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Kernbereiche des Projekts auf einen Blick:

  • Die digitale Bibliothek: Die wissenschaftlichen Funde werden aufbereitet und in einer frei zugänglichen Online-Bibliothek für die Weltöffentlichkeit gesichert.
  • Lebendige Bildungsarbeit: In Schulprojekten wird Schülerinnen und Schülern gezeigt, wie tief jüdisches Leben in unserer eigenen Kultur verwurzelt ist.
  • Aufklärung statt Vorurteile: Das Erleben dieser gemeinsamen Geschichte schafft Wissen, baut Vorurteile ab und leistet einen aktiven, spürbaren Beitrag gegen Antisemitismus.

In Zeiten, in denen wir leider wieder einen wachsenden Antisemitismus erleben müssen, ist diese Form der lebendigen Erinnerungsarbeit wertvoller und dringlicher denn je.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Bamberg bedankt sich ganz herzlich bei Thomas Spindler für diesen ebenso informativen wie bewegenden Vortrag!